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50 Jahre Bildungswesen – Humanität und Wirtschaftsfaktor
Gottfried Ringli: «Mein Traumberuf war und blieb Lehrerin ...»
Geschichte der Berufsbildung für Gehörlose in der deutschsprachigen Schweiz und der Berufsschule für Hörgeschädigte in Zürich 1954-2004.
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Ein kompetenter Zeitzeuge, der die Entwicklung der Berufsschule für Hörgeschädigte (BSFH) in der Schweiz seit 1954 miterlebt hat, ist der frühere Direktor der Hörbehindertenschule in Zürich, Gottfried Ringli. Er hatte schon 1997 nach reiflicher Überlegung die Aufgabe übernommen, eine Dokumentationsmappe über die berufliche Bildung der Hörbehinderten in der Schweiz von 1954 bis 2004 zu erstellen. Diese Dokumentation sollte eine Informationsquelle, ein Nachschlagwerk zu Detailfragen der Berufsbildung der Hörbehinderten werden. Bei der intensiven Auseinandersetzung mit der Geschichte der Berufsbildung wurde schnell klar, dass die lange Vorgeschichte und die Startschwierigkeiten der Berufsschule nur zu verstehen sind, wenn man die Entwicklung des gesamten deutschschweizerischen Bildungswesens für Hörbehinderte kennt. Diese Erkenntnis führte zu einer Zweiteilung des Werkes:
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Teil A: Geschichte der Berufsbildung für Gehörlose von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zur Eröffnung der Berufsschule für Hörgeschädigte 1954.
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Teil B: Geschichte der Berufsschule für Hörgeschädigte von 1954–2004.
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Gottfried Ringli hat es verstanden, eine grosse Fülle von Details zusammenzutragen. Eine gute Gliederung schafft Übersicht und Durchblick. Die Akteure der vergangenen 50 Jahre im Bildungswesen werden auch in ihrer Menschlichkeit beschrieben, wodurch das Buch eine Unmittelbarkeit und Lebendigkeit bekommt. Über die ersten Bildungsversuche von Taubstummen liegt ein ergreifender und beeindruckender Glanz von Humanität. Da ist noch kaum die Rede vom wirtschaftlichen Nutzen, den man sich erhofft. Es geht zutiefst um menschliche Werte. So heisst es z.B. im Bericht der Kommission, die 1797 das Resultat des Unterrichts mit Taubstummen von Lehrer Ulrich in Genf zu überprüfen hatte: «Sie haben gesehen, wie durch einen der schönsten Siege der Kunst über die Natur ein mit Empfindung begabtes Wesen sozusagen neu geschaffen dastand.»
Schon früh ging aber auch der Blick für die realen Notwendigkeiten in der Bildung Taubstummer nicht verloren. Ulrich wurde von der erwähnten Kommission auch gelobt, dass er seine Schützlinge nicht nur für den Himmel gebildet habe, sondern auch brauchbar für die Erde gemacht habe. Ende des 19. Jahrhunderts lautet das Resultat für die berufliche Integration der Taubstummen: Dass die grosse Mehrzahl der Taubstummen wirtschaftlich eingegliedert werden konnte – wenn auch im grossen Masse in Hilfstätigkeiten – ist ein Erfolg. Beeindruckend ist die Tatsache, dass die für eine volle Berufslehre befähigten Taubstummen unter einer relativ grossen Anzahl von Berufen wählen konnten.
Die wirtschaftliche Krise in den Zwischenkriegsjahren des 20. Jahrhunderts führte die Berufsbildung für Taubstumme in eine schwierige Situation. Besonders die Notlage nach dem Zweiten Weltkrieg rief tatkräftige und vorausschauende Persönlichkeiten auf den Plan. Johannes Hepp von Zürich konnte für sein Projekt, eine zentral organisierte, interkantonale Berufsschule für Taubstumme zu schaffen, den Verband für Taubstummenhilfe (heute Sonos) gewinnen.
Gegen Widerstände aus einzelnen Regionen stellte Dr. Hans Ammann von St. Gallen und Sr. Marta Muggli von Zürich 1953 an den Zentralvorstand des Verbandes Taubstummenhilfe den Antrag, einen vollamtlichen Gewerbelehrer zu wählen. Mit Amtsantritt auf den 1. Mai 1954 wählte der Zentralvorstand den Gewerbelehrer Hans-Rudolf Walther als ersten Lehrer der Berufsschule für Hörgeschädigte in Zürich.
Obwohl heute die IV (Invalidenversicherung) die Berufsschule grösstenteils finanziert, ist der Dachverband Sonos immer noch Träger der Berufsschule für Hörgeschädigte. Es ist der Berufsschule für Hörgeschädigte gelungen, sich als zentral organisierte, interkantonale Einrichtung durchzusetzen. Die Berufsschule für Hörgeschädigte hat für die hörgeschädigten Jugendlichen eine Schlüsselrolle in der Erschliessung neuer Berufe. Einerseits ermöglicht sie einen regulären Lehrabschluss in einer grossen Zahl von Berufen, andererseits öffnet sie Jugendlichen, denen der Weg über das Gymnasium mit Maturitätsabschluss in der Regel verwehrt ist, durch die Berufsmaturität den Zugang zum tertiären Bildungsbereich.
In Zukunft, und diese Entwicklung zeichnet sich schon jetzt deutlich ab, wird die Wahl des Ausbildungsortes nicht so sehr vom Grad der Hörstörung, sondern im stärkeren Masse von den Problemen der Kommunikation bestimmt. Das vorliegende Buch zeigt in eindrücklicher Weise, dass es zu allen Zeiten Personen gegeben hat, die mit grossem Engagement für die Belange der Hörbehinderten eingetreten sind. Gottfried Ringli ist es gelungen, ein Werk vorzulegen, das nicht nur für Fachpersonen in der Hörbehindertenbildung sehr lesenswert ist, sondern auch für Verantwortliche aus der Bildungspolitik.
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Bestellung:
Erhältlich gegen Vorauszahlung von Fr. 45.– (inkl. Versandkosten) bei der Herausgeberin: BSFH, Berufsschule für Hörgeschädigte, Schaffhauserstrasse 430, CH–8050 Zürich, Telefon/Telescrit: +41 (0)44 302 06 00, Fax: +41 (0)44 301 40 66, E-Mail:
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