Erfolge


Behinderten weht auf dem freien Arbeitsmarkt immer noch ein steifer Wind entgegen. Doch Melissa Kayiran hat sich über alle Widerstände hinweggesetzt und sich zur Inhaberin von zwei Coiffeur-Läden hochgearbeitet.


Melissa Kayiran: Chefin und gehörlos

Melissa Kayiran ging in der Lehre wegen ihrer Schwerhörigkeit durch die Hölle. Heute ist sie erfolgreiche Besitzerin eines Coiffeur-Salons und eines Barbiers. Alles beginnt mit einem Hörsturz in ihrer Jugend. «Für mich ist damals eine Welt zusammengebrochen», erzählt sie.

 

Sie macht eine Coiffeur-Lehre. Doch ihr Lehrmeister kann sich nicht in ihre schwerhörige Welt hineinversetzen. Statt beim Sprechen darauf zu achten, dass sein Mund sichtbar ist, spricht er Mellissa von hinten an. Mit dieser Situation wird ihr Hörgerät jedoch nicht fertig. Sie kann ihn schlicht nicht hören. Der Lehrmeister fühlt sich ignoriert. «Er sagte mir, das sei respektlos.» Die Situation eskaliert. Wegen der psychischen Belastung erleidet Melissa einen erneuten Hörsturz. Dieses Mal erlischt ihr Gehör vollkommen.

 

Sie wechselt die Lehrstelle. Dort wird sie zwar als Gehörlose akzeptiert, doch wie alle anderen Lehrlinge ist sie vor allem mit Putzen beschäftigt. Die Plackerei fordert ihren Preis. Nach der Ausbildung hat Melissa gründlich die Nase voll vom Haare schneiden. «Ich wollte nicht mehr arbeiten.»

 

Nach einer Pause steigt sie wieder in den Beruf ein. Dieses Mal als Selbständige. Im Maihof Luzern eröffnet sie einen Laden. Da sie nicht telefonieren und damit keine Reservationen entgegennehmen kann, nimmt sie nur Laufkundschaft. Doch das Geschäft läuft.

 

2018 kann sie sogar eine Filiale aufmachen – einen Barbier. Ihr Tipp für andere Schwerhörige, die ihren Traum verwirklichen wollen: «Denkt immer daran, dass wir genauso stark sind wie die anderen.»


Sich als Frau in einer Männerdomäne zu behaupten, ist schwierig. Erst recht, wenn man noch hörbeeinträchtigt ist. Manuela Gasser hat es geschafft. Heute lebt sie ihren Traumberuf als Schreinerin.


Manuela Gasser: Leidenschaftlich holzig

Manuela Gasser hat sich durch alle Widrigkeiten des Lebens zu ihrem Traumberuf gekämpft. Sie wird gehörlos geboren. Die Ärzte bescheinigen ihr jedoch eine normale Hörfähigkeit. Mit drei Jahren bekommt sie ihr erstes Cochlea-Implantat.

 

Seit sie Kind ist, liebt sie Holz. Für sie ist klar, dass sie Schreinerin wird. Ausgerechnet. Denn in einer Schreinerei ist es permanent laut – ein Albtraum für alle Hörbehinderten. Doch Manuela will es so. Sie schliesst 2015 an der BSFH eine Lehre als Schreinerin ab.

 

Danach beginnt der steinige Weg der Jobsuche. Sie verschickt Dutzende von Bewerbungen, jobt als Temporäre auf dem Bau, meldet sich beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum an. Doch trotz aller Anstrengungen verstreichen die Monate ergebnislos.

 

Nach rund sechzig Bewerbungsschreiben findet sie endlich eine Anstellung in einer Schreinerei in der Region Zürich. Sie sucht sich in der Nähe eine Wohnung und zieht um. Alles läuft bestens. Doch nach wenigen Monaten entlässt ihr Chef sie und vier weitere Mitarbeiter aus wirtschaftlichen Gründen.

 

Der langwierige Bewerbungsprozess beginnt von vorne. Zeitweise arbeitet sie sogar bei einem Wasserkraftwerk, nur um der Arbeitslosigkeit zu entfliehen. Ihre Beharrlichkeit führt sie schliesslich erneut zum Ziel. Sie findet eine Schreinerei im Toggenburg.

 

An den Lärm hat sie sich inzwischen gewöhnt. Die Arbeit ist herrlich. Wenn sie über Holz redet, strahlt ihr Gesicht. Sie ist in ihrem Traumberuf angekommen.